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Vier wichtige Dinge, die wir im August im Blick haben sollten

Marktkommentar | 06 August 2018 | Kristina Hooper, Chief Global Market Strategist

 
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Kristina Hooper

Chief Global Market Strategist

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Der August hat begonnen und einige latente Themen gewinnen an Schärfe und könnten in der zweiten Jahreshälfte ihre Spuren an den Märkten hinterlassen. Im Folgenden werfe ich einen Blick zurück auf drei wichtige Ereignisse der vergangenen Woche und einen Blick voraus auf vier potenziell wichtige Entwicklungen im August.

Beschäftigungswachstum in den USA im Juli solide, aber unspektakulär

In der zurückliegenden Woche wurde der Juli-Bericht zum US-amerikanischen Arbeitsmarkt veröffentlicht. Die wichtigsten Daten sind:1

  • Mit 157.000 neuen Arbeitsplätzen fiel das Beschäftigungswachstum außerhalb des Agrarsektors eher mau aus. Allerdings macht ein Monat noch keinen Trend aus. Im Rahmen der bemerkenswerten aktuellen Erholung am Arbeitsmarkt sind die Beschäftigungszahlen zum Teil sogar noch schwächer ausgefallen. Im März 2017 zum Beispiel wurden nur 79.000 neue Arbeitsplätze geschaffen (nach einer Abwärtskorrektur der Zahlen). Zudem wurde das Beschäftigungswachstum im Mai und Juni jeweils nachträglich nach oben angepasst.
  • Weitaus wichtiger als das Beschäftigungswachstum oder die Arbeitslosenrate ist das Lohnwachstum — die meiner Ansicht nach wichtigste Kennzahl. Die durchschnittlichen Stundenlöhne sind zuletzt um gerade einmal 2,7% gestiegen. Allerdings wurde in besser zahlenden Branchen wie der produzierenden Industrie, dem Baugewerbe und den professionellen Dienstleistungen wie bereits in den Vormonaten eine bedeutende Zahl neuer Stellen geschaffen. Das lässt erwarten, dass das Lohnwachstum in absehbarer Zeit doch noch anzieht. Andererseits werden Branchen wie die produzierende Industrie tendenziell stärker durch Schutzzölle und/oder einen starken Dollar belastet. Daher müssen wir die weitere Entwicklung in diesen Bereichen genau verfolgen.
  • Dieser Arbeitsmarktbericht ändert nichts an meinen Einschätzungen zur Zinspolitik der US-amerikanischen Notenbank (Fed). Ich bin fest überzeugt, dass die Fed die Zinsen im September anheben wird, eine vierte Zinserhöhung in diesem Jahr aber noch nicht vorprogrammiert ist. Möglich wäre ein solcher Schritt natürlich. Meiner Einschätzung nach wird er sich jedoch erst später entscheiden. In den nächsten Monaten kann viel passieren, vor allem in Bezug auf die Handelspolitik und ihre Folgen für die Wirtschaft …

Die Bank of England strafft die Zinsen trotz Brexit-Verunsicherung

Die Bank of England (BOE) hat in der vergangenen Woche eine umstrittene Zinserhöhung durchgeführt. Während BOE-Gouverneur Mark Carney erklärte, dass etwaige weitere Zinsanhebungen „schrittweise“ erfolgen und „begrenzt“ sein würden, wurde der Zinsschritt von einigen Wirtschaftsvertretern aufgrund der vielen Ungewissheiten rund um den Brexit kritisiert. Ich halte ihre Bedenken für berechtigt. Tatsächlich hatte auch Carney selbst vor kurzem in einem Interview mit der BBC zugegeben, die Wahrscheinlichkeit eines Austritts ohne Vertrag sei derzeit „unangenehm hoch“. Im Anschluss bezeichnete der Notenbankchef einen Ausstieg ohne Vertrag als „in hohem Masse unerwünscht“ — ein Ausspruch, der noch zum „Understatement des Jahres“ gekürt werden könnte. Allerdings war es möglicherweise gerade die zunehmende Wahrscheinlichkeit eines harten Brexits, die die BOE zu ihrer Zinsstraffung veranlasst hat — schließlich dürfte die Bank ihr Pulver für ein derartiges Szenario trocken halten wollen.

Japanische Notenbank schwenkt auf flexiblere Geldpolitik um

Die Bank of Japan (BOJ) hat ihren geldpolitischen Kurs in der vergangenen Woche in mehrerer Hinsicht leicht angepasst. Zum einen hat die Bank einen langfristigen Zinsausblick eingeführt, in der Fachwelt „Forward Guidance“ genannt, um ihre Lockerungsmaßnahmen nachhaltiger zu verankern. Außerdem erklärte die BOJ, dass sie ihre Wertpapierkäufe flexibler steuern werde und dass die langfristigen Zinsen in Abhängigkeit von der Wirtschafts- und Inflationsentwicklung schwanken könnten.

Mehr Flexibilität bei ihren Wertpapierkäufen gibt sich die BOJ durch die Möglichkeit, ihre Ankäufe von Exchange-Traded Funds (ETFs) und Real Estate Investment Trusts (REITs) auszuweiten oder zu reduzieren. Meiner Ansicht nach ist das bezeichnend für die schwierige Lage der japanischen Notenbank: Die BOJ hat ein komplexes geldpolitisches Rahmengerüst, scheint praktisch keine Wahl zu haben, als ihre Wertpapierkäufe im aktuellen Umfang fortzuführen, und muss sich für die negativen Auswirkungen der für Oktober 2019 geplanten Anhebung der Konsumsteuer rüsten. Um den japanischen Aktienmarkt zu stützen und Probleme frühzeitiger adressieren zu können, hat die BOJ ihren Ansatz jetzt etwas flexibler ausgerichtet — soweit ihr das in ihrer misslichen Lage möglich ist.

Vier Dinge, die wir im August im Blick behalten sollten:

  1. Der Yuan. Die chinesische Währung hat in den vergangenen Wochen deutlich abgewertet. In der letzten Woche hat sich der Abwärtstrend des Yuan weitgehend weiter fortgesetzt. Die chinesische Zentralbank (People’s Bank of China, PBOC) hat die Zinsen in den letzten acht Monaten bereits mehrmals gesenkt. Gleichzeitig sind die Märkte skeptischer geworden, was Chinas Wachstumsaussichten angeht — beides hat auf den Yuan gedrückt. In den vergangenen Tagen hat sich die chinesische Währung allerdings wieder etwas erholt. Grund war die Ankündigung einer geldpolitischen Maßnahme der PBOC, die den Yuan gestärkt hat: Die Bank hat die Mindestreserve für den Handel mit bestimmten Devisentermingeschäften von 0% auf 20% erhöht — dadurch werden Short-Positionen in Yuan deutlich teurer. Außerdem scheint China beim Schuldenabbau eine Pause einzulegen. In der letzten Woche hat Präsident Xi Jinping ein Paket von Wachstumsmaßnahmen präsentiert, das auch höhere Staatsausgaben — mit besonderem Schwerpunkt auf Infrastrukturprojekten — und eine Lockerung der Kreditkonditionen für Banken und Unternehmen umfasst. Chinas Wachstumsmaßnahmen (einschließlich der für diesen Herbst geplanten Einkommensteuersenkungen) sollten den Wirtschaftsausblick verbessern und damit auch den Yuan stützen. China scheint aber auch seine Währung relativ schwach halten zu wollen, um den durch höhere Zölle belasteten Außenhandel zu stützen. Diese gegenläufigen Wirkungsrichtungen könnten zu stärkeren Wechselkursschwankungen führen. Noch nutzt China seine Währung nicht als Waffe. Falls der Handelskonflikt mit den USA noch weiter eskalieren sollte, würde ich einen derartigen Schritt aber nicht ausschließen.
  2. Brexit-Gespräche. Mitte August werden die Brexit-Verhandlungen in Brüssel wieder aufgenommen. Dabei wird immer wahrscheinlicher, dass Großbritannien die Europäische Union (EU) ohne einen Anschlussvertrag verlassen wird. Mehrere Vertreter der britischen Regierung haben die prekäre Lage ihres Landes zuletzt immer offener und lautstärker angesprochen. Der britische Handelsminister Liam Fox schätzte die Wahrscheinlichkeit für einen Brexit ohne Abkommen vor kurzem auf 60%.2 In diesem Zusammenhang darf nicht vergessen werden, dass die eigentliche Frist für Großbritannien nicht erst im März 2019, sondern bereits im Oktober 2018 (?) ausläuft, da so viel Zeit allein für die Ratifizierung eines Abkommens durch alle EU-Mitgliedstaaten benötigt werden dürfte. Anders ausgedrückt könnte es an den britischen Finanzmärkten in dieser alles entscheidenden Verhandlungsphase zu erheblichen Turbulenzen kommen. Das Pfund ist bereits auf ein Elf-Monats-Tief gesunken, könnte aber problemlos noch weiter abwerten, falls ein Scheitern der Verhandlungen noch wahrscheinlicher werden sollte. Wir werden diese Situation genau beobachten.
  3. NAFTA-Verhandlungen. Nachdem die für Mai 2018 festgesetzte Frist für eine Einigung auf Reformen des Freihandelsabkommens NAFTA verstrichen war, schien es kaum noch Hoffnungen auf eine Einigung im Jahr 2018 zu geben. Jetzt verhandeln die USA, Kanada und Mexiko aber wieder. So wird berichtet, dass sich die USA und Mexiko schon bald auf gewisse Teilreformen einigen könnten, wobei Kanada von diesen jüngsten Gesprächen ausgeschlossen war. Während die US-amerikanische Regierung voll auf die Verhandlung bilateraler Abkommen setzt, besteht Mexiko auf einem trilateralen Abkommen mit Kanada, das ich ebenfalls positiv werten würde. Wir werden diese Entwicklung genau verfolgen, jetzt, da die Einigung auf ein neues NAFTA-Abkommen zwischen den drei Staaten wieder wahrscheinlicher geworden ist.
  4. Verschärfung des Handelskonfliktes zwischen den USA und China. In der vergangenen Woche ist der handelspolitische Schlagabtausch zwischen den USA und China nochmals erbitterter geworden. China hat klargestellt, dass es keine Zugeständnisse machen wird. Mit ihrem letzte Woche vorgestellten Wachstumsprogramm scheint sich die chinesische Regierung für einen Kampf zu rüsten. Obwohl die chinesische Wirtschaft bereits etwas an Dynamik verloren hat, scheint China bereit, kurzfristige Schmerzen in Kauf zu nehmen — und ist für einen länger andauernden Konflikt ganz klar besser aufgestellt als die USA. Die Tatsache, dass das Handelsdefizit der USA im Juni gestiegen ist, könnte die Trump-Regierung zu einer aggressiveren Haltung im Handelskonflikt verleiten. Wie ich an dieser Stelle bereits mehrfach hervorgehoben habe, würde eine Eskalation dieses Konfliktes vermutlich beiden Seiten erheblich schaden — wobei ich nicht der allgemein vorherrschenden Meinung zustimme, dass China härter getroffen wäre. Klar ist aber, dass die Folgen für die Weltwirtschaft gravierend sein könnten. Daher müssen wir die weiteren Entwicklungen im Handelsstreit genau verfolgen.

Quellen

1 Quelle: US Bureau of Labor Statistics, Stand: 3. Aug. 2018

2 Quelle: CNBC, „UK trade minister says ‘no deal’ Brexit more likely than not,“ 5. Aug. 2018
 

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Wichtige Informationen

Daten vom 6. August 2018, sofern nicht anders angegeben. Die in diesem Material dargestellten Prognosen und Marktaussichten sind subjektive Einschätzungen und Annahmen des Fondsmanagements oder deren Vertreter. Diese können sich jederzeit und ohne vorherige Ankündigung ändern. Diese Publikation ist nicht Bestandteil eines Verkaufsprospektes. Sie enthält lediglich allgemeine Informationen und berücksichtigt keine individuellen Erwartungen, steuerliche oder finanzielle Interessen.