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Arbeitsplätze, Handel und die Wirtschaft: Was haben wir in der vergangenen Woche gelernt?

Marktkommentar | 09 Oktober 2018 | Kristina Hooper, Chief Global Market Strategist

 
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Kristina Hooper

Chief Global Market Strategist

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  • Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass das Handelsabkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada ratifiziert wird, selbst wenn die Demokraten nach den Zwischenwahlen im November die Mehrheit im Repräsentantenhaus haben sollten.
  • In Brasilien dürften die Märkte Jair Bolsonaro in der Stichwahl für die Präsidentschaft ganz klar den Vorzug geben.
  • In China hat die Wirtschaft etwas an Fahrt verloren. Ich halte es aber für eine Fehlannahme zu glauben, dass China deshalb in einem Handelskrieg mit den USA kapitulieren würde.

Die vergangene Woche war eine besonders ereignisreiche Woche. Neue Datenveröffentlichungen gaben Einblicke in die aktuelle wirtschaftliche Lage rund um den Globus und die Grenzen wichtiger Handelsbeziehungen wurden neu gezogen. Im Folgenden werfe ich einen Blick auf das, was wir in der vergangenen Woche gelernt haben und was wir künftig im Blick haben müssen.

US-Arbeitsmarktbericht für September veröffentlicht. In den USA ist die Arbeitslosenrate gesunken, obwohl die Erwerbstätigenbasis grösser geworden ist. Das ist ein Grund für das zuletzt sehr positive Konsumklima. Ich halte die wirtschaftliche Lage für sehr robust, obwohl im September nur 134.000 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden.1 Damit blieb das Beschäftigungswachstum deutlich hinter den Schätzungen – und noch weiter hinter meinen Erwartungen – zurück. Die Lücke wurde durch die nachträgliche Aufwärtskorrektur der Zahlen für August und Juli jedoch geschlossen.

Die durchschnittlichen Stundenlöhne sind im September gegenüber dem Vormonat sehr deutlich um 0,3% gestiegen. Im Vorjahresvergleich erreichte das Lohnwachstum mit 2,8% aber nicht die 3-Prozent-Marke.1 Das sollte Sorgen über eine kurzfristige Beschleunigung der Inflation nehmen — wodurch meines Erachtens auch die 10-Jahres-Rendite nicht in die Höhe schießen dürfte. Wir müssen die Situation jedoch weiter genau beobachten, da der sich zuspitzende Handelskonflikt auch stark inflationär wirken könnte.

Wahlen in Brasilien. Am vergangenen Wochenende fand die erste Runde der Präsidentschaftswahlen in Brasilien statt. Der rechtspopulistische Kandidat Jair Bolsonaro erhielt mit deutlichem Abstand die meisten Stimmen — fast genug, um sich das Präsidentenamt bereits in der ersten Runde zu sichern. Im zweiten Wahlgang wird er später in diesem Monat gegen Fernando Haddad antreten. Keiner der beiden Kandidaten verfolgt eine wirtschaftsfreundliche Agenda. Ich glaube aber, dass die Märkte Bolsonaro bei der Stichwahl den Vorzug geben werden – zum Glück, da sich abzeichnet, dass er einen Erdrutsch-Sieg davontragen wird.

Handelsabkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada (USMCA). Seitdem die USA, Mexiko und Kanada in der vergangenen Woche ihr trilaterales Handelsabkommen bekanntgegeben haben, hatte ich Gelegenheit, mir die Details genauer anzuschauen. Meine wichtigsten Feststellungen:

Die aus kanadischer Sicht positivste Entwicklung — neben der Tatsache, dass überhaupt eine Einigung erzielt wurde — besteht darin, dass das Land potenziell verheerende Zölle auf Auto- und Autoteileimporte vermeiden konnte, die US-Präsident Donald Trump im Interesse der nationalen Sicherheit angedroht hatte. Kanada und Mexiko wurde jetzt eine Zollbefreiung für jeweils 2,6 Millionen Pkw gewährt.2

Das Abkommen enthält eine Klausel, nach der ein Vertragsstaat die anderen über die Aufnahme von Handelsgesprächen mit einer „nicht marktwirtschaftlich verfassten“ Wirtschaft (womit faktisch China gemeint ist) informieren muss — und daraufhin bestraft werden kann. Führen derartige Gespräche zu einem Handelsabkommen mit dem „nicht marktwirtschaftlich verfassten“ Land, kann der Vertragsstaat vom USMCA ausgeschlossen werden. Das ist ein bedeutender Zusatz, der es schwieriger für China machen soll, separate Handelsabkommen mit Kanada und Mexiko abzuschließen. Ich werte diese Klausel als Versuch der USA, China eine lange Nase zu zeigen. In jedem Fall verschärft sie den Konflikt zwischen diesen beiden Staaten zusätzlich.

In gewisser Weise ist der USMCA-Deal mit dem vor kurzem abgeschlossen Handelsabkommen zwischen den USA und Korea vergleichbar, da sich die USA auch hier letztlich zu bedeutenden Zugeständnissen bereit erklärten. Das könnte fälschlich als Hinweis darauf interpretiert werden, dass die USA in den Verhandlungen mit China genauso vorgehen werden, was ich allerdings für unwahrscheinlich halte. Die USA scheinen wenig Interesse an möglichen Kompromissen mit China zu haben. Daher rechne ich auch damit, dass sich der Handelsstreit mit China noch weiter verschärfen und in die Außenpolitik ausstrahlen wird (tatsächlich ist der Ton bereits schärfer geworden – so will die US-Administration ihre militärischen Aktivitäten rund um China verstärken und US-Vizepräsident Mike Pences jüngste Brandrede gegen China dürfte nicht die letzte derartige Botschaft gewesen sein).

Da es sich beim USMCA-Abkommen technisch betrachtet um ein neues Abkommen handelt, unterliegt es den Vorgaben des US-amerikanischen Trade Priorities and Accountability Act von 2015. Dieser schreibt eine zeitliche Frist vor, nach der das Abkommen nicht vor dem 29. November unterzeichnet werden kann. Geplant ist jetzt scheinbar eine Unterzeichnung durch die drei Vertragsstaaten am 30. November. Daher ist unwahrscheinlich, dass der Kongress das Abkommen vor Anfang 2019 ratifizieren wird. Dass das Abkommen verabschiedet wird, halte ich für sehr wahrscheinlich, selbst wenn die Demokraten nach den Zwischenwahlen im November die Mehrheit im Repräsentantenhaus haben sollten. Schließlich handelt es sich nicht um ein bilaterales Abkommen und de facto um eine Neuauflage von NAFTA ohne grundsätzliche Neuerungen.

Einen potenziellen Störfaktor gibt es allerdings: Einige Handelsexperten halten es für möglich, dass die Trump-Administration NAFTA aufkündigen könnte, um den Kongress faktisch dazu zu zwingen, dem USMCA-Deal zuzustimmen, was zu einem politischen Kampf auf dem Capitol Hill führen könnte. Ich halte das für unwahrscheinlich, da die Ergebnisse der Zwischenwahlen an der Unterstützung für das USMCA-Abkommen im Kongress, wie oben erläutert, vermutlich nichts ändern werden. Allerdings dürfen wir auch nicht die Augen davor verschließen, dass es Kritiker gibt, die das USMCA-Abkommen mit seinen strengeren Ursprungsregeln als weitere Abkehr vom Freihandel werten. Sie fürchten, dass die Begründung von Zöllen mit nationalen Sicherheitsinteressen zur Normalität werden könnte und ausländische Unternehmen künftig weniger Schutz genießen werden. Auch könnte sich eine Verlagerung der Produktion niedrigpreisiger Autos, die derzeit in Mexiko montiert werden, nicht lohnen. Das bedeutet, dass die Hersteller sich dazu entscheiden könnten, die Zölle in Höhe von 2,5% an die US-amerikanischen Konsumenten weiterzugeben. Das wäre keine gute Entwicklung, zumal ein solcher Schritt viele einkommensschwächere Amerikaner träfe, die sich höhere Preise am wenigsten leisten können.

Der Abschluss dieses Abkommens signalisiert, dass die Bank of Canada zur Zinsstraffung übergehen können wird, da der USMCA-Deal eine bessere Einschätzung des nachhaltigen Wirtschaftswachstums ermöglicht. Die USA wiederum werden dank dieses Abkommens jetzt mehr Zeit und Energie für den Handelskonflikt mit China haben, was meiner Ansicht nach kaum etwas Gutes bedeuten kann.

Wachstumsverlangsamung in China. Der Einkaufsmanagerindex für das chinesische verarbeitende Gewerbe lag im September mit 50,8 deutlich unter dem Wert vom August (51,3).3 Damit fiel er aber noch besser aus als der Caixin Index für die produzierende Industrie, der im September nur noch bei 50,0 lag, nach 50,6 im August.3 Mit 54,9 hielt sich der Einkaufsmanagerindex für den chinesischen Dienstleistungssektor deutlich besser.3

Die chinesische Wirtschaft hat zwar an Dynamik verloren. Die Abschwächung ist bislang allerdings sehr moderat. Meiner Ansicht nach wäre es aber eine Fehlannahme zu glauben, dass China deshalb in einem Handelskrieg mit den USA kapitulieren würde. China ist in der Lage, die Inlandsausgaben kräftig anzukurbeln, und hat damit auch bereits begonnen. Darüber hinaus hat die chinesische Notenbank (PBOC) die Mindestreservevorgabe für Banken gerade erst zum vierten Mal in diesem Jahr gesenkt. Auch das sollte das Wirtschaftswachstum stützen. Wie die PBOC in einer kurzen Erklärung auf ihrer Webseite erläutert hat, dient diese Senkung dazu, „die realwirtschaftliche Entwicklung zusätzlich zu stärken, die strukturelle Liquidität für die Geschäftsbanken und Finanzmärkte zu verbessern und die Finanzierungskosten zu reduzieren.“

Was Anleger jetzt im Blick behalten sollten:

US-chinesische Handelsbeziehungen. Die weitere Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen den USA und China muss genau beobachtet werden. Ich gehe davon aus, dass sich die Beziehungen noch weiter verschlechtern werden, da die USA wiederholt versuchen, China mit diversen Maßnahmen wie der ganz klar an das Land gerichteten Klausel zu Gesprächen mit „nicht marktwirtschaftlich verfassten“ Ländern im USMCA-Abkommen vor den Kopf zu stoßen. Natürlich hat die Handelspolitik auch Auswirkungen auf die Außenpolitik. Tatsächlich nehmen die außenpolitischen Spannungen inzwischen ebenfalls zu.

Italien und die EU. Wie erwartet laufen die Verhandlungen zwischen Italien und der Europäischen Union (EU) über den italienischen Staatshaushalt alles andere als reibungslos. Ende letzter Woche bemühte sich die italienische Koalitionsregierung um Schadensbegrenzung, nachdem EU-Vertreter und Investoren ihr Ausgabenziel scharf kritisiert hatten, da das geplante Haushaltsdefizit von 2,4% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) die EU-Vorgaben verletzt hätte. Die italienische Regierung hält zwar an diesem Ausgabenziel für das nächste Jahr fest, hat sich aber dazu verpflichtet, die Defizitziele für 2020 und 2021 zu reduzieren. Dass die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihe in der Folge deutlich gestiegen ist, war keine Überraschung. Mit 3,593% rentiert die Benchmarkanleihe jetzt so hoch wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr.4 Durch höhere Kreditkosten steigt die Zinsbelastung für die italienische Regierung. Wir werden diese Situation genau beobachten, da die Renditen so stark steigen könnten, dass die Zinslast für den italienischen Staat deutlich belastender oder vielleicht sogar gar nicht mehr tragbar würde.

Ausblick auf die Fed-Geldpolitik. Wie ich an dieser Stelle bereits erklärt habe, werden die weiteren Ereignisse und Entwicklungen bis zur nächsten Sitzung der US-amerikanischen Notenbank (Fed) entscheidend dafür sein, ob die Fed die Zinsen in diesem Jahr noch ein viertes Mal anhebt. Daher werden wir diese Entwicklungen sorgsam beobachten. Die Wirtschaftsdaten in den USA sind bislang sehr gut ausgefallen. Der Einkaufsmanagerindex für die produzierende Industrie lag im September mit 59,8 auf einem hohen Niveau, der für den Dienstleistungssektor fiel mit 61,6 sogar außergewöhnlich stark aus.5 Daher ist es auch keine Überraschung, dass der GDPNow Indikator der Atlanta Fed jetzt ein BIP-Wachstum von 4,1% für das dritte Quartal prognostiziert.6 Angesichts des weiterhin nur schwachen Lohnwachstums könnte aber selbst das nicht ausreichen, um die Fed zu einer weiteren Zinserhöhung zu bewegen. In einer Rede in der vergangenen Woche äußerte sich der Fed-Vorsitzende Jerome Powell sehr positiv über die US-Wirtschaft, sagte aber auch, dass er keine Hinweise auf eine Überhitzung am Arbeitsmarkt oder einen vom Arbeitsmarkt ausgehenden Inflationsdruck sehe (was der Arbeitsmarktbericht für September mit einem lediglich moderaten Anstieg der durchschnittlichen Stundenlöhne ganz klar bestätigt hat). Powell fügt hinzu, dass die Fed jede Änderung der Inflationserwartungen besonders aufmerksam beobachten werde und bereit sei „entschlossen zu handeln, falls die Erwartungen deutlich zu- oder abnehmen sollten.“

Brexit-Verhandlungen. Das Datum des britischen Austritts aus der EU im März 2019 wirft seine Schatten voraus und ein entscheidendes EU-Gipfeltreffen am 17.-18. Oktober steht kurz bevor. Die Brexit-Unterhändler der EU haben die Ansicht geäußert, dass eine Einigung mit Großbritannien „in greifbarer Nähe“ ist, wie Reuters am 5. Oktober berichtete. Das lässt vermuten, dass die Verhandlungspartner im erbitterten Streit über die irische Grenzfrage kurz vor einer Lösung stehen könnten. Da es ähnliche Verlautbarungen auch in der Vergangenheit bereits gab, bleibe ich bis auf weiteres skeptisch, werde die Situation aber genau und hoffnungsvoll beobachten.

Japans Wirtschaft. Die japanischen Wirtschaftsdaten sind zuletzt robust ausgefallen, obwohl die Zahlen zum Geschäftsklima auf Sorgen über mögliche Handelskriege mit den USA hindeuten. Ich gehe davon aus, dass die USA Japan in den Handelsgesprächen stark unter Druck setzen werden, glaube aber auch, dass Premierminister Shinzo Abe ähnlich wie die kanadische Regierung Stärke zeigen und dagegenhalten wird. Ich denke, dass beide Seiten im Handelskonflikt zu einer Einigung finden werden. Auf dem Weg dorthin könnte es aber noch zu einem verbalen Schlagabtausch und Drohungen kommen, die das Geschäftsklima in Japan belasten könnten. Wir werden diese Situation genau beobachten.

Volatile Aktienmärkte. Die Aktienmärkte haben in der vergangenen Woche ein neues Hoch erklommen, bevor sie zum Ende der Woche wieder deutlich nachgaben. Im Zuge der steigenden Anleiherenditen in den USA ist es ganz klar zu einer Neubewertung von Aktien gekommen. Darüber hinaus glaube ich, dass die Märkte inzwischen beginnen, die negativen wirtschaftlichen Folgen möglicher Handelskriege stärker einzupreisen. Ich gehe davon aus, dass die Märkte volatil bleiben werden und halte auch einen deutlichen, wenn auch relativ kurzen Rückschlag im vierten Quartal für denkbar.

Quellen

1 Quelle: Bureau of Labor Statistics, 5. Okt. 2018.

2 Quelle: Reuters, „Trump administration says trade pact will bring auto jobs back to U.S.,“ 1. Okt. 2018.

3 Quelle: Reuters, „China factory sector hurt in September as trade frictions bite,“ 30. Sept. 2018.

4 Quelle: Bloomberg, L.P., 8. Okt. 2018.

5 Quelle: Institute for Supply Management, 1. Okt. 2018.

6 Quelle: Federal Reserve Bank of Atlanta, 5. Okt. 2018.

 

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Daten vom 9. Oktober 2018, sofern nicht anders angegeben. Dieses Marketingdokument stellt keine Empfehlung dar, in eine bestimmte Anlageklasse, Finanzinstrument oder Strategie, zu investieren. Das Dokument unterliegt nicht den regulatorischen Anforderungen, welche die Unvoreingenommenheit von Anlageempfehlungen/Anlagestrategieempfehlungen sowie das Verbot des Handels vor der Veröffentlichung der Anlageempfehlung/Anlagestrategieempfehlung vorschreiben. Diese Information dient ausschließlich der Veranschaulichung und ist keine Empfehlung  zum Kauf, Halten oder Verkauf von Finanzinstrumenten.  Die in diesem Material dargestellten Prognosen und Marktaussichten sind subjektive Einschätzungen und Annahmen des Fondsmanagements oder deren Vertreter. Diese können sich jederzeit und ohne vorherige Ankündigung ändern. Diese Publikation ist nicht Bestandteil eines Verkaufsprospektes. Sie enthält lediglich allgemeine Informationen und berücksichtigt keine individuellen Erwartungen, steuerliche oder finanzielle Interessen.